Eine Möve macht "dong"


Der Campingplatz auf „Sommerøy“ ist zwar super bequem, aber auch sehr laut in der Nacht. Einige junge Ortsansässige haben in der Nacht (haha…) ihre selbstgebastelten Zwei-, Drei- und Autoräder rausgeholt und sind mit vielen Burnouts da ordentlich rund um den Platz gedüst… Naja, ist schon gegangen.

Gleich um kurz nach dem ersten Kaffee bin ich zum Fähranleger runter. Da war ich dann eineinhalbstunden dort, bevor die Fähre angelegt hat. Das war schon wichtig, weil das Ding hat nicht soviel Platz und es war wie ich es gewohnt bin auf der Strecke, die letzten vier Autos hatten halt keinen Platz mehr und die mussten dann dort bis zum Mittag ausharren und eben die nächste Fähre nehmen… halt blöd ;-).

Ich war jedenfalls so schon sehr früh auf der Insel „Senja“. Und das habe ich wieder so richtig genießen können. Zuerst bin ich in den Ort „Husøy“ gefahren. Geniale Insel. Die ganze Insel ist ein Fischerdorf. 292 Einwohner. Die äußeren Häuser sind mit Abspannseilen gesichert, weil es da – wenn es stürmt – echt heftig stürmt. Es gibt ein großes Fischereiunternehmen und davon lebt der größte Teil der Einwohner da… schaut Euch die Fotos an, ist echt witzig.

Dann bin ich weiter nach „Fjordgård“. Ich war da vor zwei Jahren mit Peter auch und bin mit ihm auf den „Hesten“ gelaufen, um von dort aus eben den „Segla“ zu bestaunen. Das waren und sind schon tolle Bilder. Einige davon habe ich natürlich sofort Peter geschickt… der hat mit einem Smily geantwortet und mit den Worten: „Beim nächsten Mal“… da freu ich mich jetzt schon drauf ;-).

Tja und dann ist es halt doch passiert. Vor lauter konzentriert auf die Straße und den Verkehr zu achten, habe ich die junge Möve schon von weitem genau gesehen. Und ich bin mir sicher, dass die mich auch gesehen hat. Sie hat nämlich immer im rechten Winkel zu mir gesehen und genau nur einmal den Schnabel in meine Richtung gedreht. Also entweder die Möve war blind oder Selbstmordgefährdet. Ich glaub ja blind. Weil als sie mich dann viel zu spät hörte, ist sie vor Hilder hergeflogen. Sie hat das zumindest versucht, aber eben keine Höhe gewonnen. Und als ihr das wohl klar wurde, hat sie versucht einen Haken zu schlagen der aber leider schief ging. Sie kippte über den rechten Flügel weg und berührte mit der äußersten Spitze vom Flügel die Straße. Das brachte sie dann in einer kurzen Rechtskurve direkt in die Mitte von Hildar Front. Und da ich ja leider – ganz vorschriftsmäßig – mit 120 km/h und Tempomat unterwegs war, hat es die Möve halt regelrecht unter Hildar gesogen. Da hat es dann zuerst irgendwie „klang“ gemacht, gleich darauf kam eine Bodenwelle und es machte „dong“. Es kann natürlich auch sein, dass eben die Bodenwelle und das „dong“ die Möve war… da ich aktuell den Rückspiegel (weil voll beladen bin) nicht verwenden kann, musste ich mich auf die Seitenspiegel verlassen. Und in denen sah ich nur einige Federn (die könnten aber auch in der Bodenwelle gelegen haben, wer weiß das denn so genau) fliegen und einen Motorradfahrer, der ganz heftige Kurven gefahren ist.
Ich habe dann umgedreht und nachgesehen.
Leider war das „dong“ die junge Möve die mir unter das linke Hinterrad geflogen ist ;-(.

Tieftraurig bin ich dann trotzdem noch bis an die Südspitze von der Insel „Senja“ gefahren. Kurz vor „Skrollsvika“ liegt eine ganz große Festung – eine Bunkeranlage – aus dem 2. Weltkrieg, die „Skrolsvik Festung“. Sie nennt sich zuerst HKB 969 (Heeres-Küsten-Batterie 969) und dann „MKB 6./511 Skrolsvik“ (Marine-Küsten-Batterie, 6. Batterie der Marine-Artillerie-Abteilung 511, Skrolsvik. Die ist in der Serie „Lost Places“ auch schon mal vorgekommen. Wirklich eine große Anlage, die 1941 im Zuge des Atlantikwalls von den Deutschen gebaut wurde. 1943 hat die deutsche Marine die Anlage übernommen, um jeglichen Schiffsverkehr von und nach Narvik zu kontrollieren/unterbinden. Die Norweger haben die Anlage dann noch bis fast in die 60er Jahre weiter genützt. Alle Geschütze und sonstige wichtigen Teile, sind unterirdisch miteinander verbunden. Und das geniale daran ist, die sind frei zugänglich! Es wird wohl davor gewarnt in die Tunnel einzusteigen, aber es ist nicht verboten!!! Ich bin da aber – ich kleines Schisserle – nur durch eine Tür rein und soweit das Licht gereicht hat da rumgelaufen. Ganz schön groß und gruselig (wenn man weiß, für was das hier alles verwendet wurde).

Heute gibt es grad mal zwei Bier und dann ab in die Falle. Ich möchte morgen recht früh aufbrechen und auf die „Vesterålen“ nach „Andenes“ sind zwar nur circa ein paar Kilometer, ich werde aber trotzdem fast den ganzen Tag dafür brauchen. Aber zum einen möchte ich da oben unbedingt noch ein Walsafari T-Shirt kaufen (ich war ja mit Rudi auf Walsafari 2022 glaub ich) und zweitens bauen die Norweger da oben "The Whale". Das wird das neue Walmuseum. Von außen schaut das dann aus, wie eine riesige Walflosse. Mal sehen, wie weit die sind.